Der Familienbund der Katholiken im Bistum Münster hat sich in den letzten Monaten mit der Thematik Klimaschutz und Ernährung befasst und dieses Positionspapier beschlossen:
1. Warum wir uns mit diesem Thema befassen
Als Familienverband sehen wir unsere Aufgabe darin, die Rahmenbedingungen für Familien zu verbessern. Dabei denken wir über Generationen hinaus – Familien sollen heute und in Zukunft gut leben können. Der Klimawandel wirkt sich schon jetzt auf das Leben der Menschen aus, kommende Generationen werden die Konsequenzen aller Voraussicht nach stärker spüren. Wir sind uns bewusst, dass wir für die kommenden Generationen Verantwortung tragen, Nachhaltigkeit ist für uns deshalb eine Frage der Verantwortung für die Schöpfung und der Generationengerechtigkeit. In diesem Positionspapier wird der Schwerpunkt auf das Thema Ernährung gelegt, denn was wir essen ist nicht nur eine persönliche Entscheidung für das eigene Wohlergehen, sondern sie hat auch Konsequenzen für die Umwelt.1
2. Einige Daten und Fakten
Die Deutsche Gesellschaft (DGE) empfiehlt, den Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln zu steigern und den von tierischen Lebensmitteln zu senken. Gesund und nachhaltig ist nach den Empfehlungen der DGE eine Ernährungsweise, die überwiegend aus Obst und Gemüse, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten sowie Nüssen und pflanzlichen Ölen besteht2. Eine solche Ernährung schützt laut den Empfehlungen nicht nur die Gesundheit, sondern schont dabei die Ressourcen der Erde.3. Die DGE empfiehlt, dass tierische Lebensmittel etwa ein Viertel des täglichen Speiseplans ausmachen. Das ist deutlich weniger, als in Deutschland im Schnitt gegessen wird, auch wenn in den letzten Jahren bereits ein Prozess des Umdenkens und Handelns in der Gesellschaft begonnen hat. Das „weniger“ an tierischen Produkten sollte auch einem „besser“ entsprechen: ein geringerer Konsum tierischer Lebensmittel kann den Verbraucher*innen den Kauf hochwertigerer Produkte unter Berücksichtigung des Tierwohls ermöglichen. Eine gesunde und nachhaltige Ernährung sollte aus saisonalen und regionalen, frischen, wenig verarbeiteten Lebensmitteln, auch aus biologischem Anbau, bestehen, so können lange Transportwege vermieden werden. 4 Das Einüben einer solchen Ernährungsweise bzw. die Änderung von ungesundem Essverhalten ist eine Frage von Bildung von Anfang an, aber auch von finanziellen
Möglichkeiten. Mehrere Verbände weisen seit längerem darauf hin, dass die Frage von Gesundheit und gesunder – und damit auch nachhaltiger – Ernährung zunehmend eine soziale Frage ist. 5 Darüber hinaus müssen auch die Erzeuger*innen faire Preise für ihre Produkte erhalten. In Deutschland essen täglich rund 16 Millionen Menschen in Kitas, Schulen oder Betrieben. Die Gemeinschaftsverpflegung spielt daher eine wichtige Rolle für die Ernährungsweise und bei der Ausbildung von Essgewohnheiten.
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1 Etwa ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen entstehen durch die Nahrungsmittelproduktion, -verarbeitung und -verteilung, z.B.: https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/essen-wir-das-klima-auf
2 https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/
3 Ebd.: nicht mehr als 300g Fleisch und Wurst/Woche, einmal in der Woche Fisch,
4 Der Anbau von Lebensmitteln verursacht häufig versteckte Kosten: https://www.misereor.de/informieren/ernaehrung-sichern/wahre-kosten-unserer-lebensmittel
5 z.B.: https://www.vdk.de/aktuelles/aktuelle-meldungen/artikel/lebensmittel-immer-teurer-vdk-fordert-massnahmen-um-verbraucher-zu-entlasten/
Die DGE hat für Kitas, Schulen und andere Einrichtungen Qualitätsstandards für eine gesunde und nachhaltige Ernährungsweise entwickelt. 6 Etwa 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland pro Jahr im Müll, 58 % dieser Abfälle entstehen in Privathaushalten. Im Sinne der Nachhaltigkeit müssen Maßnahmen ergriffen werden, um diese Abfälle zu verringern bzw. zu vermeiden und Lebensmittel besser zu verwerten.7 Dazu müssen die Verbraucher*innen für ein bewussteres Maß beim Einkaufen sensibilisiert werden.
3. Unsere Positionen
Als Familienbund der Katholiken im Bistum Münster setzen wir uns ein für:
• Bildung über gesunde und nachhaltige Ernährung von Anfang an – ein ganzes Leben lang. In der Familienbildung, in Kitas und Schulen und in der Erwachsenenbildung muss Ernährungsbildung mehr zum Thema werden. Wie gesunde und nachhaltige Ernährung aussieht, wie Mahlzeiten zubereitet und Lebensmittelabfälle vermieden werden, muss verpflichtend Bestandteil der Curricula in Kitas und Schulen sein. Das Bewusstmachen von Risiken der Ernährung durch zu stark verarbeitete Lebensmittel mit zu viel Zucker, Zusatzstoffen, Konservierungsmitteln und Geschmacksverstärkern muss intensiviert werden. Maßnahmen zur Ernährungsbildung gehen notwendigerweise einher mit einem qualitativ hochwertigen und für alle leicht zugänglichen Verpflegungsangebot in Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Kantinen usw.
• Die Verpflichtung auf die Einhaltung der Qualitätsstandards der DGE für die Gemeinschaftsverpflegung in Kitas, Schulen, Kantinen und Mensen. Wir fordern besonders das Bistum Münster auf, in den Bildungseinrichtungen die Standards der DGE einzuhalten und regionale und saisonale Produkte zu verwenden.
• Eine Veränderung der Ausschreibungskriterien für die Gemeinschaftsverpflegung: hier sollen Regionalität und Nachhaltigkeit berücksichtigt werden.
• Maßnahmen, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Der Einzelhandel muss bessere Möglichkeiten bekommen, Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können, abzugeben.
• Die Einführung eines verpflichtenden und einheitlichen Tierwohl-Labels für Transparenz für die Verbraucher*innen
• Die Einführung eines ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für unverarbeitete pflanzliche Lebensmittel.
• Die Einbeziehung der Kosten für gesunde Lebensmittel bei der Berechnung des Existenzminimums.
• Ein beitragsfreies, gesundes und nachhaltiges Mittagessen an Kitas und Schulen für alle Kinder.
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6 https://www.dge.de/gemeinschaftsgastronomie/dge-qualitaetsstandards/
7 Der Bürgerrat „Ernährung im Wandel“ empfiehlt:
Supermärkte und andere Lebensmittelgeschäfte ab einer Größe von 400 Quadratmetern Verkaufsfläche sollen verpflichtet werden, noch genießbare Lebensmittel, die sie sonst entsorgen würden, an gemeinnützige Organisationen (z.B. Tafeln) und für gemeinnützige Zwecke weiterzugeben. Quelle: https://dserver.bundestag.de/btd/20/103/2010300.pdf
Ein Beispiel ist das Projekt „Mittel zum Leben“ des Bundesverband der Bildungszentren im ländlichen Raum
(VBLR) https://www.mittel-zum-leben.info/